Seit Jahren halten diverse Köder Einzug in die moderne Anglerei. Was vor vielen Jahrzehnten begann mit Löffel, Spinner und Wobbler wird heute mit Gummifisch, Geschmacksstoffen und Farbspielen getoppt. Mit Kunststoffen wird heute nahezu jeder Köder imitiert, mit chemischen Stoffen versehen und als ultimativer Köder angeboten. Selbst Maden und Würmer sollen dabei erfolgreicher sein als das Original. Ob das so ist, bleibt fraglich….
Was dabei in Vergessenheit gerät, sind die alten, fängigen Köder die man früher ganz selbstverständlich benutzt hat. Würmer, Maden, Insekten, aber auch andere natürliche Köder.
Dieser kleine Bericht mag für den routinierten Angler altes Brot sein, doch für Neueinsteiger vielleicht eine hilfreiche Unterstützung, wenn Feromon getränkte Kunststoffmaden nicht zum Erfolg führen…
Würmer
Würmer gibts verschiedene. Es kommt immer darauf an, was man den gerne am Haken hätte. Es macht wenig Sinn, mit kleinen Mistwürmern auf die Welsjagd zu gehen. Doch kann man mit einem ordentlichen Wurmbündel aus Regenwürmer oder Erdwürmer auch einen kapitalen Wels überzeugen. Die Grösse der Würmer machts aus…
Wer im Bach einer Fario nachstellen möchte oder am See den Friedfischen nachstellen will, der macht sich am Besten dran, im Garten einen alten Komposthaufen zu durchforsten. Gut kompostierte Haufen überraschen oft mit hunderten Würmern, so dass innert wenigen Minuten ein Säcklein voll ist. Ich spreche hier explizit von einem Säcklein, weil nur in einem solchen die Würmer frisch bleiben und vor Überhitzung und Nässe geschützt sind. Es gibt nichts hässlicheres, als ein Glas oder eine Kunststoffdose voller Würmer in der Hitze… die Würmer werden gekocht und lösen sich in einer Suppe auf… bei Regen flüchten die Würmer mit Leichtigkeit aus jeden Glas… im Säcklein kann so was nicht passieren.
Links: auf den Haken gezogen und beide Enden frei, Mitte: nur der Kopf bleibt frei (nicht anstechen auf Kopfseite, sondern beim Schwanz, der Wurm bewegt sich so viel länger), Rechts: als Bündel, ideal auf Karpfen, Schleien und andere grössere Friedfische.
Der grössere Erd- oder Tauwurm oder Regenwurm eigent sich für die kapitalen Fische. Karpfen, Welse, aber auch grosse Egli lassen sich mit einem grossen Wurm eher überzeugen. Es ist nicht ganz einfach, an solch grosse Würmer zu kommen. Ich blende bewusst den Köderautomaten bei Händler aus! Grosse Würmer findet man am ehesten im Garten unter Brettern, Steinplatten oder unter sonstigem Material, solange es feucht und dunkel ist. Erdwürmer sind schnell und verschwinden in Sekunden in ihren Erdlöchern. Ein beherztes Zugreifen ist wichtig, sonst wird man zum Schneider, bevor die Anglerei überhaupt angefangen hat. Erdwürmer mögen sandige, kompakte alte Böden. Ein besonders günstiger Moment zum Einsammeln kann sein, wenn der Bauer den Pflug durchs Feld führt. Kommt man per Zufall zu so einem Ereignis, so lohnt es sich immer, den Leinensack im Auto zu haben und schnell 30 Minuten mit Wurmsammeln zu verbringen. Kein Bauer hat da was dagegen… Würmer kann man gut an einer kühlen Stelle (Keller, Schattenplatz im Garten) in einer Holzkiste aufbewahren. Würmer ernähren sich von toten Pflanzen, respektive abgestorbenen Wurzeln… Zeitungspapier kann ein Ersatz sein. Wer die Würmer jedoch innerhalb von ein paar Wochen verbraucht, sollte sich über die Fütterung keine Gedanken machen. Im Substrat in einer Holzkiste (20 Liter Erde von Feld) hat es genügend Verwertbares für Wochen und hunderte Würmer…


Links: als grosses Bündel für den Wels, Rechts: als einzelner Wurm für den Barsch (Führen des Wurmes wie ein Twister) oder für den Karpfen ausgelegt am Boden.