Hallo Martin... und vielleicht auch andere User
es freut mich, wenn meine Geschichten und Berichte auf offene Ohren stossen. Ich weiss, es gibt beiderlei Angler. Die einen üben ihr Hobby mit messerscharfer Konsequenz aus, die anderen knüpfen ihr Hobby in ihr Leben... ich gehöre zu der zweiten Gruppe. Ein Angeltag bedeutet für mich Erholung, beobachten und geniessen... Was gibt es schöneres, als beim Angeln die Natur zu entdecken... wie oft habe ich schon mein Tackle zur Seite gelegt und mich um etwas anderes interessiert...
Gerade vor ein paar Tagen passierte wieder so was.... Es war letzten Sonntag und wir haben uns wieder mal einen ganz speziellen Angeltag gegönnt. Unser ganzes Material, welches sonst ein halbes Auto füllt, haben wir auf das nötigste reduziert und sind mit einem Rucksack und zwei Angelruten aus dem Haus. Vorbei am parkierten Auto zur Bushaltestelle. In unserem Quartier fährt eine Linie, die alte Busse aus meiner Heimatstadt Bern geschenkt bekam. So ist es immer wieder ein Spass, in einem Bus zu sitzen, mit welchem ich vielleicht als Junge damals in die Stadt gefahren bin... Die Busfahrt zum Bahnhof, 20 Minuten kostet etwa 30 Rappen. Dort angekommen, gehts erstmal zu den fliegenden Händlern. Am Bahnhof sind 365 Tage im Jahr ab 4 Uhr morgens die Händler, die auf kleinen Camping Tischen ihre Ware anbieten. Köderfische für Egli, Bitterlinge, 2.- Franken für 50 Stück.... (in der Schweiz kostet ein solcher Bitterling im Gartencenter 7.50 Franken!

)) Ein Yoghurtbecher voller Maden gibts für 1 Franken... 2 für 1.50.... Maden ohne Ende!!
Danach heissts Billet kaufen. Für die Fahrt zu einem kleinen See in der Nähe (etwa 25 Kilometer) gibts die Karte für 1.50 Franken. Die Zugskomposition stellt sich zusammen aus Wagenmaterial der 50er und 60er Jahre. Meist sind auch die alten Wagen mit den 6er Abteilen dabei. Innen alles Holz, verschnörkelt und mit viel Detail. Eine Museumsfahrt gewissermassen. Doch in den ehemals noblen Abteilen teilen sich nun Körbe mit Hühnern, Zigeuner mit Gemüsekörben und Geschäftsleute mit Aktentasche das Abteil... und immer auch ein paar Angler sind dabei... Mutti wartet mit der Pfanne zuhause! Nur nicht als Schneider nach Hause kommen, deshalb wird bereits im Zug heftig diskutiert, wo denn nun die Fische heute stehen... Ein Erlebnis, das ich immer wieder gerne der 15 minütigen Autofahrt vorziehe...
Vom Bahnhof ist's ein kleiner Spaziergang durchs Dorf, runter an den See. Auf den Dächern klappern sich die Störche den Schnabel wund und die Kinder spielen auf der Strasse Fussball. Strasse? Na, eigentlich schon, wenn auch die Piste durchs Dorf eher einem Kartoffelacker ähnelt. Wer mit dem Auto unterwegs ist, versucht nicht, den Schlaglöchern auszuweichen, sondern das Kleinste zu wählen... anders gehts nicht. Pferdefuhrwerke sind immer unterwegs, und so kann man sich den Weg zum See auch mal auf einem Fuhrwerk als Mitfahrer gönnen... schneller ist man dabei zwar nicht, aber es macht Spass...
Am See angekommen, haben wir uns einen schönen Platz ausgesucht. Eine leichte Böschung, genau richtig um sich in der Sonne auch ein bisschen hinlegen zu können... Doch schnell wurde unser Projekt Karpfenfang abgebrochen. Ich bewege mich immer vorsichtig an den Ufern der Seen. Es können auch mal Scherben im Gras liegen und deshalb immer erst mal den Boden abchecken. Doch heute waren es keine Scherben... hunderte von Kamm-Molchen, die aus dem Winterschlaf erwacht sind und nun wie von Zauberhand aus dem lockeren Boden, aus Mauslöchern und unter Grasbüschel hervor kriechten. Der Boden war übersäht mit diesen zierlichen Kreaturen, die sich, aus dem Erdreich entflohen zielgenau und auf kürzestem Weg Richtung Ufer machten. Schnell war die Fischerei vergessen und wir legten uns zu zweit ins Gras und beobachteten diesen Wettlauf zum Wasser... Vermutlich hatten wir vielen dieser kleinen Genossen das Leben gerettet, den erst später realisierte ich die vielen Vögel neben uns, die sich genüsslich über diese Leckerbissen hermachten. Selbst ein Pärchen des wunderschönen Widehopf rannte am Ufer umher und pickte die Molche auf... es wird genügend haben, denn das ist der Lauf der Natur und wiederholt sich jedes Jahr...
Aber für uns war klar, dass wir da nicht ans Fischen denken konnten. Ein einziger zertreten Molch wäre einer zuviel gewesen!
So haben wir uns später an einer anderen Stelle niedergelassen. Zwar nicht so romantisch, aber hier war ein Angeln ohne Kolateralschaden möglich. Schnell war Abend und ausser ein paar Brassen und vielen leuchtend roten Federn war nichts zu releasen... Doch der Tag wird als einer mehr in Erinnerung gehen, wo die Angelei zwar der Grund war aus dem Haus zu gehen, die ganze Natur drum herum aber schliesslich zum Höhepunkt wurde....
Fir intins aus Rumänien
Gruss aus Brasov / Kronstadt, der schönsten Stadt Rumäniens!
Unsere Kleinste hat eine eigene Homepage:
http://dobermann-cindy.npage.eu