Eisfischen in Rumänien... Adrenalin pur!
Endlich ist das Eis dick genug, ja schon fast mühsam dick... der Bohrer schleift sich Schicht umd Schicht durch das dunkle Eis. Es gefror in ein paar windstillen Nächten, und so ist es fast durchsichtig... Nicht ganz so wie Glas, doch mach kann schon was erkennen unter dem Eis... Nach ein paar Löchern haben wir eine Kante gefunden... plötzlich gehts steil bergab am Grund. Sollte eigentlich der perfekte Platz für ein paar Zander sein.... gegen Abend werden sie an die Kante raufkommen und nach Weissen suchen... In einem Eimer schwimmen ein paar Babuschkas... Rotaugen.... Vorsichtig wird der erste Fisch unter der Flosse gepirst und so schnell wie möglich ins "warme" Wasser gebracht... wir haben eine Lufttemperatur von minus 16 Grad... da gefriert auch ein zappelnder Fisch in Sekunden...
Feines Geschirr ist angesagt. Es soll in diesem See kaum Hechte geben, also können wir es verantworten, mit 20'er Mono ohne Vorfach zu fischen. Schnell ist die Rute im Halter montiert. Zupft ein Fisch an der Schnur, so kippt die Rute nach unten und ein Fähnchen schwingt in die Höhe... gross genug, um es auch über 50 Meter oder mehr gut zu sehen... nachts kann man auch eine Lichtanlage aktivieren, die mittels LEDS blinkt...
Nach einer halben Stunde und müden Armen von bohren sind sechs Ruten gestellt. Jetzt heisst es warten und heissen Tee mit Palinka trinken. Das Karpfenzelt hilft, die beissende Kälte ein bisschen abzuhalten... trotzdem ist es saukalt. Schnell ist Brennholz gefunden und schon brennt ein Feuer lichterloh... mitten auf dem See. Wärme, oh du seelige.....
Die Stunden vergehen, die Füsse werden immer kälter. Brennholz ist auch keines mehr da... Bald geht der Tag zu ende, ohne einen Zupfer... die Wolken verdunkeln sich, die Sonne ist unerkannt hinter dem Horizont verschwunden. Und da... ein Fähnchen schwingt in die Höhe und winkt von weitem mit einem roten Zipfel.... Kalt? Kalte Füsse? Kalte Finger? Vergiss die Kälte. Wie ein Stromschlag schiesst das Adrenalin durch den Körper und bringt einem zu Höchstleistungen. Stampfend, keuchend übers Eis und durch Schnee kommen wir zur Rute... Sie schwingt auf und ab und die Bremse lästert ein Klagelied durch die Stille... Anhieb! und ab geht die Post... jetzt erst recht... sofort schiesst mir die Gefahr des Schnurbruchs durch den Kopf. Ich hab nur ein 20'er Mono und hier scheint sich ein Profiathlet auf der anderen Seite auszutoben. Rupfer, Kopfschüttler, lange Fluchten, kaum ein Stop... was zum Teufel ist hier am Haken? Ich fühle den Puls in meiner Halsschlagader. Die Knie beginnen zu schlottern.... ein 18'er Loch.... und wenn das Ding nicht durchs Loch passt? Längst ist meine Rute bis fast zur Rolle im Loch verschwunden... nur ja keine Schnurbruch an einer Eiskante...
Bestimmt 20, 30 Meter hat das Ding am anderen Ende abgezogen... Für unser leichtes Geschirr eine harte Probe... und auch für meine Geduld. Jetzt nur nichts versemmeln.... Endlich lässt sich mein Gegner zum Loch hin kurbeln... mit Widerwillen, doch in diesem kalten Winterwasser gehen auchden bösen Fischen die Kräfte schnell aus...
Mit den Schuhen haben wir den Schnee vom Eis gestossen... unter darunter das glatte, fast durchsichtige Eis freigelegt...
Siehst du was? Nee.... muss noch ein Stück weg sein... und wieder kurble ich vorsichtig... da!! Unter dem Eis zeigt sich ein weisser Bauch... Das ist kein Hecht... das muss ein Zander sein! Die Kälte längst vergessen, zittere ich trotzdem am ganzen Körper... das wird der Fisch meines Lebens. Das Loch... es ist zu klein! Wieder zeigt sich der Fisch und mir steht fast das Herz still... das is ein Riesenzander!!! Nein, das ist nicht Flipper unter dem Eis! Das ist eine Zander. Das ist neuer Weltrekord! Ich und mein Kumpel kommen ins rotieren... wie bringen wir diesen Fisch aus dem Wasser? Für ein paar Sekunden herrscht absolute Ruhe, keine Bewegung, kein Ton.... nur eine Krähe reklamiert irgendwo im nahen Wald über unser hektisches Getue. Es gibt nur eine Möglichkeit... mit dem Beil das Eis weiter aufschlagen. Aber wie? Ein 18'er Loch, und fast dreissig Centimeter Eis... das geht doch nie... langsam wird uns bewusst, dass wir diesen Kampf wohl verlieren werden. Der Zander liegt genau unter uns im Wasser... Vorsichtig ziehe ich den Fisch mit dem Kopf zum Loch... wie zum Teufel soll ich den durchs Loch bringen. Resignation!
Mein Kumpel sucht nach der Schwanzflosse, kaum zu erkennen durchs Eis... es wird langsam dunkler und so wird es schwierig, das genaue Ende des Fisches zu sehen. Doch der Fisch hilft... er neigt sich langsam und die weisse Unterseite schimmert wieder durchs Eis... Der ist mindestens...... mein Kumpel zeigt mit dem Finger aufs Eis.... bis hier.... Mach eine Markierung!
Mein Herz pocht, das Blut schiesst kochend durch die Arme, die Knie zittern und die Finger feuern.... was soll ich tun? Unten im Loch steht ein Zanderkopf, fast auf der Seite liegend. Das Loch ist 18 cm.... doch ich erkenne weder die Schnautzenspitze noch die Kiemendeckelränder.... ein Zanderkopf mit über 20cm Länge... Heilige Scheisse... das glaubt uns niemand¨
Der Schnitt.... es gab keine andere Möglichkeit. Nach Minuten erkannte ich die aussichtslose Lage. Ich erlöste den Fisch mit zittrigen Händen durch einen Schnitt ins Mono. Langsam glitt der Monsterzander davon um im letzten Moment mit einem kräftigen Schwanzschlag das Wasser im Loch zum überschwappen zu bringen....
Langsam setzte ich mich in dem Schnee... das war er! Der wird nie mehr wieder kommen. Das war die Schlagzeile die niemals jemand lesen wird.... Eine unglaubliche Ruhe durchströmte mich plötzlich. Ich habs erlebt, ich habs gesehen... doch niemand wird uns das je glauben...
Mein Kumpel nimmt Mass vom Lochrand zur markierten Stelle... viereinhalb Schuhlängen... er trägt Schuhnummer 44....
Nie werd ich wissen wie gross das Tier, oder wie schwer es war.... aber es war gross genug, um hier darüber zu erzählen!
Wir tranken die letzten Tropfen Palinka aus der Flasche und räumten zusammen... Mit einem Kumpel auf dem See zu angeln ist doch immer wieder ein Erlebnis.... was da einem alles in den Sinn kommt, wenn nichts beisst.....
Gruss Tinu
Gruss aus Brasov / Kronstadt, der schönsten Stadt Rumäniens!
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